Wenn die Roma statt der Syrer kämen …

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Was wäre … wenn anstelle der Syrer die Roma über die Autobahn in Ungarn marschieren würden? Stellen wir uns vor, die Roma würden sich aus Mazedonien, Serbien und dem Kosovo in Bewegung setzen und einen kilometerlangen Marsch der Armut bilden. Mit ihren Frauen, den vielen Kindern, den großen Familien.

Ich weiß, die Roma kommen in Bussen. Ich weiß, die Roma mögen keine Bilder von sich. Und ich weiß, sie haben keine Führung. Darum geht es nicht. Es geht auch nicht darum, dass die Roma aus keinem Bürgerkriegsland kommen. Schauen wir uns die Bilder aus Ungarn, Wien und München an und denken wir uns, dort würden Roma statt Syrer kommen.

Zweifel sind angebracht, aber es wäre möglich, dass sie aus ihren Zügen steigen würden und mit Klatschen und „Willkommen!“-Rufen begrüßt würden. All die schönen Bilder sind vorstellbar! Im Moment ist Deutschland zu jeder (positiven) Überraschung fähig. Möglich, dass ein solch bildgewaltiger Marsch der Armut die Herzen weich machen würde. Möglich.

Damit es klar ist: Die Roma hätten – nach dieser fiktiven Annahme eines Bürgerkriegs in ihren Ländern – alle einen Asylgrund: Es würde sie nach Rechtslage nichts von den Syrern unterscheiden!

Die Roma hätten aber – und darin liegt der Unterschied! – nichts vorzuweisen außer ihrer Armut und ihrer Not. Sie bilden die Unterschicht ihrer Länder – weitestgehend und seit langem ausgeschlossen von Bildung und Arbeit. Ohne Selbstbewusstsein und Durchsetzungsfähigkeit. Ohne Besitz in ihren Ländern und ohne brauchbare Beziehungen in die Nachbarländer.

Im Unterschied dazu – die Syrer.

Sie kommen – nach meinen Beobachtungen und vielen Gesprächen (auf Englisch) – reich beladen mit immateriellen Dingen wie Bildung, Ehrgeiz, Sprachkenntnissen, Jugend und Intelligenz. Es ließe sich sagen, dass sie den Reichtum mitgenommen haben, auf den es in unserer hochentwickelten Gesellschaft ankommt. Sie bringen uns das, was wir gebrauchen können. Sie lassen zurück, was wir nicht gebrauchen können: Ihr Land, ihre Autos, ihre Häuser, ihre Straßen, ihre Wirtschaft – all die materiellen Dinge, die wir im Überfluss haben.

Die Syrer kommen – so ließe sich sagen – mit vollen Händen! Die Roma kämen – unserer Annahme folgend – mit leeren Händen.

Es geht also nicht um das Asylrecht, wenn die Politiker Milliarden „in die Hand nehmen“? Es geht nicht um das Asylrecht, wenn sie die winterfeste Unterbringung zur Staatssache erklären? Wenn sie humanitäre Korridore schaffen, wenn sie die Bürokratie aus dem Weg räumen.

Nicht um das Asylrecht geht es, sondern um eine mutige, entscheidungsfreudige Kosten-Nutzen-Rechnung im Großmaßstab.

Wir sehen eine Politik, die menschlich und eigennützig zugleich ist. Humanitär und merkantil. Die deutsche Regierung geht – wie ein weit vorausschauender Unternehmer – erheblich in Vorkasse. Sie investiert in die Unterbringung und Umschulung der Syrer, um am Ende einen gesellschaftlichen Gewinn – einen vielfach zählbaren Nutzen! – erzielen zu können.

Stellen wir uns vor, statt der Syrer würden Roma kommen …

Bildquelle: Wilhelmine Wulff / www.pixelio.de

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Ein Deutschkurs für die Roma

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Wir haben zwei Tische in unserer Rheinhausener Lebensmittelausgabe stehen. Dort machen Christina Henze und ich Sozialberatung – wir füllen Anträge aus, vereinbaren Ratenzahlungen, erklären den Roma, was in den wichtigen Briefen steht. Und eigentlich jeden Tag kommt eine Romni zu mir und wir haben folgendes Gespräch:

Sie: „Arbeit?“ – Ich: „Deutsch?“ – Sie: „Putzen!“ – Ich: „Lernen!“.

Es hat immer wieder Versuche gegeben, die Roma zu beschulen. Ich spreche nicht von den Kursen, die vom Arbeitsamt beschickt werden. Wenn die Roma vom Arbeitsamt geschickt werden, können sie soviel Deutsch, dass sie ihre Arbeit machen können. Ich spreche von freiwilligen Kursen, die von Roma besucht werden, die weder Deutsch können noch eine Arbeit haben. Ich spreche von den Roma, die kein Deutsch können, weil sie nicht integriert sind – oder umgekehrt.

Manche dieser Versuche scheitern klanglos, manche grandios. So wurde für die erste Stunde eines Kurses in einer bekannten Bildungseinrichtung ein Buffet angerichtet. Die Roma haben nach dem Eintreffen das Buffet leergegessen, Pakete für ihre Kinder eingepackt und sind gegangen. Zur zweiten Stunden sind sie wieder erschienen, haben kein Buffet gesehen und sind – ohne den Raum richtig zu betreten – umgekehrt.

Am Anfang eines solchen Kurses muss also die Frage stehen, was für einen Anreiz dieser Kurs den Roma bieten kann. Machen wir uns nichts vor – auch die Lehrerin kommt nicht für Gottes Lohn, sondern weil sie am Monatsende bezahlt wird. Warum sollte es bei ihren Schülern anders sein?

Die Roma sind gnadenlos pragmatisch. Wie vermutlich alle Menschen, die bitterster Armut ausgesetzt sind. Ob Flüchtlinge aus Syrien oder aus Mazedonien oder Roma aus Rumänien – sie lernen nicht Deutsch, weil sie die geistige Herausforderung suchen oder Goethe im Original lesen wollen, sondern weil sie ihren Kühlschrank mit Strom versorgen und füllen wollen.

Was sie eigentlich wollen – jedenfalls die Romafrauen, denen ich täglich begegne – ist ein Kurs: „Deutsch für Putzfrauen“. Ein solcher Kurs wäre zeitlich überschaubar, also geeignet für Schülerinnen, die eine Familie zu versorgen haben. Und er würde sie direkt zu einer Arbeit führen. Selbst dem pragmatischsten Geist würde vor Augen stehen, wie sich langsam der eigene Kühlschrank füllt.

Woran die Romafrauen auch großes Interesse haben ist die Hilfe bei der Arbeitssuche und bei der behördlichen Integration helfen. Warum sollte der Kursleiter eine solche Leistung nicht zumindest vermitteln können? Das Konzept des Unterrichts also ist, handfeste Interessen auf Seiten der Lernenden zu bedienen. Und er sieht „Leistung der Schüler gegen Leistung des Unterrichtenden“ vor.

Es mag sein, dass es einen solchen Kurs noch nicht gibt. Es ist auch nichts gegen Kurse einzuwenden, die ein „Deutsch für Staatsbürgerinnen“ vermitteln. Ein Deutschkurs, der sich umweglos aus der Lebenswirklichkeit der Romafrauen heraus entwickelt, wäre aber besser als das Nichts, vor dem viele der Frauen stehen.

Wir werden einen solchen Zustrom von Flüchtlingen und Neubürgern aus der EU bekommen werden, dass wir nicht entfernt die ausgebildeten Deutschlehrer haben, unsere Sprache zu vermitteln. Wir werden vielen Menschen nur ein paar Worte beibringen können, damit sie die ersten Schritte in ein vorläufiges Berufsleben machen können. Wir werden Kurse entwickeln müssen, die jeder, der sich engagieren möchte, ohne lange Zusatzausbildung abhalten kann. Als es um die Romafrauen ging, hat sich niemand um solche Lernangebote gekümmert. Jetzt – da Millionen in unser Land kommen – wird es nicht anders gehen.

Und ein Buffet am Ende des Kurses ist an sich keine schlechte Idee … ;)

Bildquelle: Mirko Waltermann / www.pixelio.de

„Ja“ und „Nein“ auf Romanes

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„Da“ ist das Wort für „Ja“. „Da, da“ ist das Wort für „Ja, ja“. Und gedoppelt ist es häufiger in Gebrauch als geeinzelt. Die Roma sind fleißige Ja-Sager. Es gibt auch das Wort „Na“ – ganz ohne geht es nicht. Es wird aber als Negation der Negation gebraucht. Die Frage: „Ich schätze, ich habe dir nicht helfen können“ wird mit „Nein, du hast mir geholfen!“ gedreht. „Ja“ bedeutet also „Ja“, und „Nein“ bedeutet auch „Ja“. Ganz einfach.

Ich habe neun Monate gebraucht, um es zu verstehen, und kann es immer noch nicht glauben. Aber die Wirklichkeit ist die Schule des Lebens, wie es so schön heißt. Darin habe ich mich verabredet für ein Gespräch mit einer serbischen Roma. Sie wohnt seit einem Jahr in einem Asylheim in Hamm und ist zu Besuch. Eine gute Gelegenheit, sie zu befragen. Ich verabrede mich mit ihr für den nächsten Tag um 14:00. Sie nickt: „Da!“ Ich frage, ob 15:00 Uhr besser ist. Sie nickt. „Da, da!“ sagt sie. Schön, also 15:00 Uhr! Bei ihr zu Hause? Sie sagt mit ihre Adresse. Zur Sicherheit sage ich: „Du kannst ruhig „Nein“ sagen, wenn es dir nicht passt.“ – „Nein, kein Problem!“

Eine Menge Fragen in der Hand stehe ich vor dem Haus. Mein Klingeln wird nicht beantwortet. Ich rufe die Romni also an.
„Wer ist da?“ fragt sie.
„Ich habe ein Gespräch mit dir“, sage ich.
„Ich bin einkaufen.“
„Wann kommst du zurück?“
„Weiß nicht. Aber wenn du willst, können wir das Gespräch auf morgen verschieben. Kein Problem.“

Sie will also nicht aufmachen. Will aber nicht sagen, dass sie nicht aufmachen will. Sie will mir keine Ablehnung zeigen, dabei wäre es besser gewesen, wenn sie mir meine Zeit nicht gestohlen hätte.

„Ja“ bedeutet logischerweise „Nein“. „Ein anderes Mal“ heißt „Vergiss es!“. Und „Kein Problem!“ kann alles bedeuten. Ich stelle mir die Frage, wie sich Roma untereinander verabreden, wenn „Ja“ auch „Nein“ bedeuten kann, und alles andere sowieso unklar ist.

Am Sonntag sehr früh rufe ich sie an. Völlig schlaftrunken nimmt sie an.
„Habe ich dich geweckt?“ frage ich.
„Nein, kein Problem“, sagt sie – kaum, dass ich die Worte verstehe.

Ich bin froh, dass ich sie nicht geweckt habe und lege ich beruhigt auf.

Bildquelle: Henrik Gerold Vogel / www.pixelio.de

Die neue ROMANI erscheint!

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Gerade eben haben wir die neue ROMANI zum kostenlosen Download (s. rechte Spalte; 4,7 MB) freigeschaltet. Am Dienstag, dem 01. September geben wir sie in den Verkauf. Sie wird hauptsächlich in Duisburg verkauft werden. Obwohl der August der schlechteste Monate ist, eine Straßenzeitung zu starten, haben wir lediglich mit einem kleinen Minus abgeschlossen. Für die Monate Richtung Weihnachten sind wir optimistisch, dieses Minus aufzufangen.

Manch einer hat gesagt, dass eine monatlich erscheinende Straßenzeitung nicht machbar ist. Wir haben gezeigt, dass es geht. Es gibt Layouts, die sehr professionell sind (z.B. das Layout von FiftyFifty/Düsseldorf), es gibt aber auch Layouterinnen, die mit klarem Wasser kochen. Eine Textwüste kriegt jede hin, die mit einem Programm wie Scribus (kostenfrei) oder InDesign bewaffnet ist. Es sollte mit ein wenig Liebe zu Bildern auch mehr möglich sein!

Unser Ansatz ist zudem puristisch: Eigentlich selbstverständlich, aber alle Artikel sollen mit Roma zu tun haben! Wenn möglich, wollen wir sie selbst zu Wort kommen lassen. Zwei Roma schreiben ihre eigenen Artikel – eine Bloggerin aus Amerika – Qristina Cummings – und der Kochbuchautor Ditischi Pederka. In anderen Artikeln führen wir Gespräche mit den Roma. Wir schreiben in direkter oder indirekter Form nieder, was sie sagen. Wir halten es für vertretbar, sie direkt zu Wort kommen zu lassen, ohne dass wir uns zivilisatorisch zwischenschalten.

Dazu gibt es Geschichtliches und Kulturelles. Die Geschichte der Roma ist sehr interessant, da den Deutschen weitgehend unbekannt. Vor der Industrialisierung gehörten sie zu der großen Zahl der Umherziehenden – den Juden, den Marketendern und Vagabunden. Erst mit der Industrialisierung werden Juden und Zigeuner gesondert stigmatisiert.

Dann gibt es die Kultur. Wer nur an Musik und Tanz denkt, liegt falsch. Literarisch herausragend sind die Zigeunermärchen, die nicht anders als unsere Märchen erst mündlich weitergegeben und dann niedergeschrieben wurden. Sie haben einen ganz eigenen Charakter, nicht anders als die Schelmereien der Zigeuner.

Ihr werdet euch vielleicht wundern, wie leichfertig ich das Wort „Zigeuner“ benutze. Zum einen ist die Zigeunerküche keine Roma-und-Sinti-Küche. Zum anderen aber sind die Zigeunermärchen- und -schelmereien ohne das Wort „Zigeuner“ nicht erzählbar. Es wird dort uneingeschränkt positiv gebraucht.

Es ist leider so, dass uns dieses verdammte Wort „Zigeuner“ die allergrößten Schwierigkeiten bereitet! Wir haben uns sehr um bundesweite Kontakte bemüht und waren dabei auch sehr erfolgreich. Leider bestehen unsere Kontakte darauf, dass wir das Wort „Zigeuner“ nicht benutzen. Uns wurde klar gesagt, dass dies eine Grenze sei, die nicht überschritten werden solle und die im Vorab zu kontrollieren sei. Meinem Einwand, dass sich die Roma selbst als „Zigeuner“ bezeichnen und dass es ihnen wichtig sei, wurde entgegnet, dass diese Menschen es nicht besser wüßten, weil sie völlig ungebildet seien.

Die akademischen Roma (und Sinti) und die weitgehend illiteraten Roma, die aus Rumänien und Bulgarien zu uns kommen, leben in zwei völlig verschiedenen Welten: Die einen haben alles – besonders Fördermittel und bundesweite Verdrahtung – die anderen haben nichts. Eine Straßenzeitung über die Roma, die von den Roma selbst geschrieben wird, ist eine Unmöglichkeit. Wir haben die Unabhängigkeit gewählt, obwohl eine bundesweite Zeitung, die von akademischen Roma geschrieben wird, bis Ende des Jahres hätte hochgezogen werden können, denn Geld spielt in diesen Kreisen – wie wir hören – keine Rolle.

Am Dienstag kommt also unsere September-ROMANI heraus, und ich bin um ein paar Illusionen ärmer … ;)

Die Fake-Accounts der Hate-Seeder

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Facebook steht am Pranger! „Mark Zuckerberg, der Steigbügelhalter der NPD“ untertitelt Marie von den Benken einen Beitrag, der ein wenig langsam in Fahrt kommt, dann aber sehr lesenswert ist. Der Titel: „The Facebook of Shame“.

Am Wochenende hatte ich die völlig überdrehte Idee, einen Offenen Brief an Marc Zuckerberg in der New York Times zu veröffentlichen.  Jetzt weiß ich – wenn ich es täte – ich käme viel zu spät! Der englische Titel des deutschen Beitrags im deutsch/englischsprachigen Mobilegeeks deutet an, wessen Aufmerksamkeit Marie von den Benken bekommen will.

Ich glaube, Facebook Deutschland wird diese Stunden ordentlich durchgeschüttelt. Dass Scripte auf die Meldungen wegen rassistischer Hetze antworten, ist ein Unding. Wenn so etwas passiert, dann sollten wir gesetzlich festlegen, dass Facebook als ‚Admin‘ verantwortlich für seine Gruppen ist, so wie jeder Admin für die Kommentare seiner Nutzer verantwortlich ist.

Facebook wird seine Dataminer (= die Filterprogrammierer) darauf ansetzen müssen, die rassistischen Gruppen zu identifizieren. Möglicherweise werden bei Facebook Deutschland einige Herren gehen müssen, aber es wird in Kürze gelingen, alle einschlägig rassistischen Gruppen – öffentlich oder geschlossen – zu identifizieren.

Nun stellt sich die Frage, was wir nach der Schaltung der Suchalgorithmen von Facebook verlangen sollten. Dem Admin der Gruppe sollte mitgeteilt werden, dass seine Gruppe aufgefallen ist. Er wird dann sicherlich seine Fake-Accounts schließen und hektisch bei den Kommentaren dazwischenhauen … wenn er sie nicht gar löscht oder unsichtbar macht.

Grundsätzlich käme eine Schließung der Gruppen in Frage. Sollen sich die Gruppen neu sortieren – ohne die Plattformen Facebook, Twitter und Whatsapp sind sie bedeutungslos! Ein Forum bei Host Europe aufzusetzen, wird nicht reichen, da Host Europe viel restriktiver ist als Facebook. Die allermeisten Gruppen dürften spurlos verschwinden, wenn es zu einer Schließung kommt.

Es wäre dies aber ein großer Eingriff in die Meinungsfreiheit. Eigentlich sollte es uns nicht darum gehen, Meinungen zu verbieten, sondern die Leute hinter den strafbaren Kommentaren zu belangen. Dafür müssen sie identifizierbar sein! Leider kostet ein zweiter Account bei Facebook nicht mehr als € 8,45 – was bei DM dem Gegenwert einer Prepaid Handykarte entspricht.

Facebook könnte angewiesen werden, die Passwörter im Post-Ident-Verfahren zu vergeben. Dann bekommen wir unser Facebook-Passwort an unsere Postanschrift gegen Vorlage des Ausweises zugestellt. Es gibt zahlreiche Dienstleister im Internet, die von ihren Kunden verlangen (müssen), sich zu identifizieren. Versucht mal einen zweiten Account bei Amazon zu machen – es ist unmöglich! Warum ist es bei Facebook ein Kinderspiel?

Möglich wäre es, die Ident-Accounts für alle Nutzer kenntlich zu machen. Sie sehen dann, ob „Marie Glockenklang“ ein Phantasiename oder nicht! Wird jemand, der sich nicht identifiziert hat, wegen rassistischer Äußerungen gemeldet, dann wird ihm das Passwort per Script entzogen, und eine neues Passwort wird an seine Adresse zugestellt … falls es sie gibt. (Vergessen wir nicht, dass die Scripte den Verdächtigen vermutlich schon vor der Meldung herausgefiltert haben.)

Geschlossene Gruppen sollten nur aus Ident-Accounts bestehen. Ist die Gruppe öffentlich, sollte diese Vorgabe entfallen, da wir selbst aktiv werden können.

Nur ein paar Gedanken, ehe der Gesetzgeber Gesetze gibt …

Bildquelle: Thorben Wengert / www.pixelio.de

Stellung beziehen!

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Mir ist über den Beitrag auf Romaport.com zu Ohren gekommen, dass mein Chefreadkteuer der Straßenzeitung ROMANI, Martin Redies, gestern aus der Facebook-Gruppe „Duisburg – Marxloh etc.“ entfernt wurde. Der Grund dafür waren Auseinandersetzungen zum Thema Integration der Roma. Dabei wurden rechtsradikale Tendenzen der Mitglieder sehr deutlich.

Nach meinen Informationen ist der Admin der Gruppe, Thomas Mielke, abhängig angestellt beim „Runden Tisch Marxloh“ und untersteht somit den SPD-Funktionsträgern Heike Priebe und Thomas Terschüren. Frau Priebe ist Mitglied der Bezirksversammlung Duisburg-Walsum. Herr Terschüren ist Vorstand vom SPD-Ortsverein Duisburg-Marxloh.

Mit seiner Festanstellung beim „Runden Tisch Marxloh“ ist Thomas Mielke also Befehlsempfänger von zwei hohen SPD-Funktionsträgern. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier auf Umwegen die SPD-Integrationspolitik der Stadt Duisburg durch eine offensichtlich rechtsradikal tendenziöse Facebook-Gruppe untergraben wird.

Die Facebook-Gruppe behauptet, mehr als 1.800 Mitglieder zu haben, welches unstrittig ist. Die rechtsradiaikalen Meinungsgeber sind nur ca. 20 Personen, die anscheinend in Absprache untereinander eine angebliche Meinungsbildung des Stadtteils Marxloh nach außen tragen.

Da kritische Stimmen in kürzester Zeit aus der Gruppe verbannt werden, wählen wir diesen Weg, um die Öffentlichkeit auf diese rechtsradikalen Tendenzen aufmerksam zu machen – denn Marxloh ist weder rechts noch rechtsaußen.

Gezeichnet: Rolf Karling
Vorsitzender „Büger für Bürger Duisburg e.V.“

Kopie an den Duisburger OB Sören Link

Eine Hate-Gruppe macht dich

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Es konnte nicht gut gehen. Ich habe mich in der einschlägig bekannten Facebook-Gruppe „Duisburg – 47169 Marxloh“ eingebracht, und es ist nicht gut gegangen. Gestern abend wurde ich vom Admin aus der Gruppe entfernt. Gleichzeitig wurden zurückliegende Beiträge für alle Nutzer unsichtbar gemacht. Seit einigen Tagen ist der Admin Thomas Mielke dort etwas nervös. Er ist einer der wenigen Teilnehmer bei dem Gespärch mit Angela Merkel. Aber ist das ein Grund, nervös zu sein … ?

Ich habe mich jedenfalls in seiner Gruppe zu Wort gemeldet, wenn dort die Hetze wieder los ging. Natürlich wurde ich beschimpft. Natürlich wurde mein Ausschluss gefordert. Aber ich habe nichts anderes gemacht, als darauf verwiesen, dass nicht alle Roma Ruhestörer, Müllverursacher und Einbrecher sind – nicht alle, sondern nur wenige. Dass auch Romakinder nachts schlafen wollen. Und ich habe gefakte Fotos öffentlich bloßgestellt. Gut, gelegentlich habe ich wohl auch provoziert, indem ich Nutzer gefragt habe, mit welchem gute Recht sie Benehmen von anderen Mitmenschen fordern, wenn sie sich selbst nicht benehmen können. Auch meine direkten Fragen an türkische Nutzer, ob sie selbst nie der Hetze in Marxloh ausgesetzt waren, wurden nicht gut aufgenommen. Es gab in dieser Gruppe schlimme Ausfälle: Die Forderung nach Selbstjustiz („Wir nehmen unsere Hunde und gehen zusammen in den Park“) und der Vorschlag, Probleme mit der Schrotflinte zu lösen (vielfach unterstützt), nenne ich als Beispiele.

Der Admin lässt die Gruppe unter dem Motto laufen: „Ich bin ja selbst kein Rechter!“ Und ich habe mich nach dem Motto eingeschaltet: „Wenn du selbst kein Rechter bist, dann findest du es bestimmt gut, wenn ich der Hetze gegen Roma etwas entgegensetze!“ Na ja, unsere Wege haben sich sehr schnell getrennt.

Diese öffentliche Gruppe ist also für mich nicht mehr öffentlich, weil sie unsichtbar ist. Zum einen kann ich die Beiträge nicht mehr lesen. Zum anderen kann ich den Beiträgen und Kommentaren nichts mehr entgegensetzen. Ja, ich finde es problematisch, wenn sich Gruppen, die den Hass auf eine bestimmte Volksgruppe anstacheln, unsichtbar machen können!

Zugegeben, ich habe ich dieser Gruppe gegenüber ein wenig mutlos gefühlt. Nicht so richtig heldenhaft, sagen wir mal. Immerhin sind es fast 2.000 Mitglieder.

Ich habe mir aber überlegt, wo wir uns befinden. Die Plattform dieser Gruppe heißt Facebook. Der Besitzer von Facebook heißt Mark Zuckerberg. Und es wird von Deutschen rassistische Hetze auf seiner Plattform betrieben. Ich denke, die Toleranzgrenze von Facebook gegenüber deutschen Rassisten dürfte nahe Null liegen. Warten wir ab, bis die Ereignisse rund um die Facebook-Gruppe „Heidenau – Hört zu“ in der US-Presse angekommen sind.

Heidenau

Auf Dauer wird Facebook diese Gruppen herausfiltern und von sich aus löschen. Bis dahin muss eine Meldung reichen.

Der Einwand aus der Gruppe, dass sie nach Löschung ihrer Gruppe eine andere Gruppe machen, ist richtig. Nur ist das Internet groß und sehr dunkel. Im Internet ist Licht alles. Wenn das Licht aus ist, findet niemand den Weg zu der Gruppe. Ohne Facebook sind die Marxloher Rassisten weg vom Fenster, im wahrsten Sinne des Wortes.

Fühlt ihr euch auch immer mal wieder ein wenig einsam in Deutschland? Gut … ich nämlich auch.

Es gibt aber etwas, das für uns spricht. Die Frage, ob der Rassismus um sich greift, wird diesmal im Internet entschieden wird. Und das Internet gehört uns !

Bildquelle: Tim Reckmann / www.pixelio.de